Jahresprogramm 2018/2019: Literatur und Identität

Raum und Zeit, um den Dingen auf den Grund
zu gehen

Beginn 09./10. April 2018
(alle weiteren Termine am Ende der Seite)

In unseren Jahresgruppen  profitieren Sie von
einem außergewöhnlichen Seminarkonzept, das Ihnen neue
Zugänge zur Literatur und Kulturgeschichte vermittelt und dabei auf kreative Weise zu Selbstreflexion und geistigem Austausch inspiriert.

Das können Sie erwarten:

  • Verknüpfung von kultureller Bildung und kreativ-künstlerischer Praxis
  • lebendiges und selbstbestimmtes Lernen mit regem Erfahrungsaustausch in einer geschlossenen Gruppe mit maximal 15 Teilnehmern
  • Vermittlung eines vielseitigen Wissensspektrums durch ein hochqualifiziertes und engagiertes Dozentinnen-Team mit vielfältigen Erfahrungen in eigener wissenschaftlicher, künstlerischer und kreativer Praxis
  • gemeinsame Exkursionen zu interessanten Orten, Ausstellungen, Museen im Zusammenhang mit den jeweiligen Jahresthemen
  • Erprobung und Weiterentwicklung der eigenen Kreativität durch kreatives Schreiben, gemeinsame Buchprojekte, Lesungen, Referate und anderes mehr
  • Wöchentliches Vormittagsprogramm in 3 Trimestern (alternativ montags oder dienstags), das die beiden unten stehenden Jahresthemen umfasst
  • 3 mal 9 Seminarvormittage mit insgesamt 108 Unterrichts-
    stunden

Jahresprogramm 2018/2019:
Literatur und Identität

 

Jahresthema I (Dr. Sabine Göttel)

Nachtgedanken
Exil, Dissidententum und Migration
in der deutschen Literatur

Wie blicken deutsche Autoren auf ihr Land? Wie geht die Erfahrung von Exil, Dissidententum und Migration in ihre Literatur ein? So unterschiedlich die Autoren und Werke auch sein mögen – immer erlaubt ihnen die erzwungene oder selbst gewählte Distanz zum eigenen Land einen geschärften Blick vom Rand in die sogenannte Mitte der Gesellschaft. –

Unter dieser Maßgabe lernen wir zentrale Texte und Epochen der neueren deutschen Literatur kennen: In seinem satirischen Verespos Deutschland. Ein Wintermärchen kritisiert Heinrich Heine aus seinem Pariser Exil heraus Zensur und Willkür in Deutschland vor der Revolution von 1848 (Vormärz und Junges Deutschland). Irmgard Keun gibt in ihrem Roman Kind aller Länder aus dem Jahr 1938 ungewöhnliche Einblicke in das rast- und heimatlose Leben der deutschen Emigranten zur Zeit des Nationalsozialismus (Literatur des Exils 1933-1945). Christa Wolf und Emine Sevgi Özdamar schließlich blicken aus ganz unterschiedlichen Perspektiven auf ein geteiltes Land: Christa Wolf evoziert in ihrem von der DDR-Zensur bedrohten Roman Nachdenken über Christa T. (1968) die fragile Sehnsucht nach einem erfüllten Leben in einer besseren Gesellschaft, und Emine Sevgi Özdamar nutzt die Chance des fremden Blicks einer Immigrantin auf die Mauerstadt Berlin und erzählt in Seltsame Sterne starren zur Erde aus dem Jahr 2003 ein rasantes deutsch-türkisches Wintermärchen (Literatur im geteilten Deutschland). Mit einem Überblick über die Literatur zeitgenössischer deutschsprachiger Autoren mit nicht-deutschen Wurzeln, die sog. „Migrantenliteratur“ (u.a. Zafer Şenocak, Katja Petrowskaja, Saša Stanišič und Abbas Khider), beenden wir das Akademische Jahr.

Texte und Textausgaben
Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen,
Nikol Classics 2017 (3,50 €)
Irmgard Keun: Kind aller Länder,
Kiepenheuer& Witsch 2016 (17,99 €)
Christa Wolf: Nachdenken über Christa T.,
Suhrkamp 2006 (13,80 €)
Emine Sevgi Özdamar: Seltsame Sterne starren zur Erde,
Kiepenheuer & Witsch 2003 (8,95 €)

 

Jahresthema II (Christina Rohwetter)

Die Zeichen der Zeit.
Gegenwartsanalyse und Gesellschaftskritik
in der zeitgenössischen französischen Literatur

Die französische Literatur meldet sich machtvoll zurück, ist in den deutschen Feuilletons zu lesen. Wie in den Sartre-Jahren haben die französischen Literat*innen unserer Zeit „einen Epochenumbruch im Moment seines Entstehens erfasst“ (Iris Radisch).

Wir werden uns intensiv mit drei Werken der zeitgenössischen französischsprachigen Literatur beschäftigen, in denen unsere Gegenwart auf vielfältige Weise literarisch gestaltet und dabei kritisch reflektiert wird:

In seinem Debütroman Der Fall Meursault. Eine Gegendarstellung aus dem Jahr 2013 schreibt der algerische Journalist und Schriftsteller Kamel Daoud (geb. 1970) den weltberühmten Roman Der Fremde von Albert Camus um und weiter, und zwar aus arabischer Perspektive und im Bewusstsein des postkolonialen Diskurses. Mit Virginie Despentes, geb. 1969, lernen wir eine Autorin kennen, die in den 1990er Jahren auch hierzulande als Provokateurin und Pornographin berühmt wurde, und die nun einen grandiosen Roman über die französische Gesellschaft im 21. Jahrhundert vorgelegt hat: Das Leben des Vernon Subutex. Es ist der erste Band einer Trilogie, die in Frankreich große Erfolge feiert und mit den Gesellschaftsromanen Balzacs verglichen wird. Eine neuartige und faszinierende Erzählform begegnet uns in dem Werk Die Jahre von Annie Ernaux (geb. 1940). Es handelt sich um eine kollektive Autobiographie der ersten Nachkriegsgeneration, in der das „Ich“ konsequenterweise abwesend ist. Wir werden hier auch der Frage nachgehen, inwieweit sich das Individuelle und das Kollektive gegenseitig beeinflussen. Literaturästhetische, politische und philosophische zeitgenössische Diskurse werden unsere Lektüre dieser drei ergreifenden Werke erweitern und vertiefen.

 

TERMINE 2018/2019
Montagsgruppe/Dienstagsgruppe
Kurszeiten: jeweils 9.30 – 13.00 Uhr
Ort: Akademie LITERATUR&LEBEN,
Roscherstraße 12, 30161 Hannover

Erstes Trimester
09./10.04.
16./17.04.
23./24.04.
07./08.05.
14./15.05.
04./05.06.
11./12.06.
18.19.06.
25./26.06.
Sommerferien
(02.07.-06.08.)

Zweites Trimester
13./14.08.
20./21.08.
27./28.08.
03./04.09.
10./11.09.
17./18.09.
24./25.09.
01./02.10.
Herbstferien
(08.10. – 29.10.)

Drittes Trimester
05./06.11.
12./13.11.
19./20.11.
26./27.11.
03./04.12.
10./11.12.
17./18.12.
Weihnachtsferien
(24.12. – 31.12.)
07./08.01.
14./15.01.
21.01. Abschlussfeier