Jahresprogramm 2019/2020: Literatur und Freiheit


Raum und Zeit, um den Dingen auf den Grund
zu gehen

Beginn des 1. Trimesters am 08./09. April 2019
Steigen Sie ein!
(alle weiteren Termine am Ende der Seite)

In unseren Jahresgruppen, bestehend aus drei einzeln buchbaren Trimestern,  profitieren Sie von einem außergewöhnlichen Seminarkonzept, das Ihnen neue Zugänge zur Literatur und Kulturgeschichte vermittelt und dabei auf kreative Weise zu Selbstreflexion und geistigem Austausch inspiriert.

Das können Sie erwarten:

  • Verknüpfung von kultureller Bildung und kreativ-künstlerischer Praxis
  • lebendiges und selbstbestimmtes Lernen mit regem Erfahrungsaustausch in einer geschlossenen Gruppe mit maximal 15 Teilnehmern
  • Vermittlung eines vielseitigen Wissensspektrums durch ein hochqualifiziertes und engagiertes Dozentinnen-Team mit vielfältigen Erfahrungen in eigener wissenschaftlicher, künstlerischer und kreativer Praxis
  • gemeinsame Exkursionen zu interessanten Orten, Ausstellungen, Museen im Zusammenhang mit den jeweiligen Jahresthemen
  • Erprobung und Weiterentwicklung der eigenen Kreativität durch kreatives Schreiben, gemeinsame Buchprojekte, Lesungen, Referate und anderes mehr
  • Wöchentliches Vormittagsprogramm in 3 Trimestern (alternativ montags oder dienstags), das die beiden unten stehenden Jahresthemen umfasst
  • 3 mal 9 Seminarvormittage mit insgesamt 108 Unterrichts-
    stunden

Jahresprogramm 2019/2020:
Literatur und Freiheit

 

Jahresthema I (Dr. Sabine Göttel)

Das andere Deutschland.
Literatur und Literatinnen in der DDR

„Natürlich ist das Land ein Ort des Wunderbaren“: Mit dieser ironischen Aussage beginnt und endet Irmtraud Morgners phantastischer Roman Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura (1974). Morgner erzählt darin von einer französischen Trobadora, die nach 800jährigem Schlaf ins 20. Jahrhundert erweckt wird. Ihr Weg durch die moderne Gesellschaft führt sie von der Provence nach dem Paris der Mai-Revolution von 1968 und schließlich in ‚das gelobte Land‘ DDR, den ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden. In diesem ‚wunderbaren‘ und, wie sie hofft, frauenfreundlicheren Land will sie ihren Beruf als Dichterin wieder aufnehmen, nachdem sie ihn, entmutigt durch ihre Erfahrungen in der mittelalterlichen Männerwelt, vor mehr als 800 Jahren aufgegeben hatte“ (Herminghouse). –

Mit umfangreichen Programmen verschrieb sich die DDR der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Gleichberechtigung von Mann und Frau. Trotz gesetzlicher Vorgaben bestanden Institutionen und Auffassungen weiter, die die Unterordnung der Frau in öffentlichen und privaten Kontexten fortschrieben. Da das Hauptaugenmerk auf dem wirtschaftlichen Bereich lag und es in der DDR keine organisierte, öffentliche Frauenbewegung gab, übernahm die Literatur die Funktion eines Forums, in dem Frauen- und Emanzipationsfragen diskutiert werden konnten. Seit den 1960er Jahren gestalteten DDR-Autorinnen die Konfrontation individueller Bedürfnisse und Glücksvorstellungen mit der gesellschaftlichen Realität auf unterschiedlichste Art.

Wir erörtern die Frage nach der Möglichkeit und Wünschbarkeit einer weiblichen Perspektive in einer Welt, in der das patriarchale Prinzip dominiert, im Kontext der Analyse folgender Werke:

Maxie Wander: Guten Morgen, du Schöne
Sarah Kirsch/Irmtraud Morgner/Christa Wolf: Geschlechtertausch. Drei Geschichten über die Umwandlung der Verhältnisse
Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand
Irmtraud Morgner: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura

Außerdem: Exkursion zur Dichterstätte Sarah Kirsch nach Limlingerode/Hohenstein

Am Samstag, dem 27. April 2019, fahren wir gemeinsam nach Thüringen, wo Stephanie und Mathias Schick in der Dichterstätte Sarah Kirsch in Limlingerode/Hohenstein die Dichterin Sophie Friederike Mereau-Brentano (1770-1806) vorstellen. „Wechsel vergnügt dein Gemüth; es freuet der Wechsel uns alle …“ Ein ungewöhnliches Leben, in dem trotz der Kürze des Daseins ein beachtliches Werk entstand. Herder, Goethe und Schiller achteten sie als Autorin, die sich der Romantik zugehörig fühlte.- Nach dem Vortrag sowie einer Pause mit Kaffee und Kuchen in den preisgekrönten Ländlichen Kaffeestuben machen wir uns gegen Abend wieder auf den Heimweg.

Textausgaben:

Maxie Wander: Guten Morgen, du Schöne. Mit einem Vorwort von Christa Wolf, Frankfurt/M. (Suhrkamp) 2007 u.ö.

Sarah Kirsch/Irmtraud Morgner/Christa Wolf: Geschlechtertausch. Drei Geschichten über die Umwandlung der Verhältnisse, Darmstadt (Luchterhand) 1980 – nur antiquarisch erhältlich

Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand, Berlin (Aufbau) 1998, u.ö.

Irmtraud Morgner: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura, München (Luchterhand) 2010

 

Jahresthema II (Christina Rohwetter)

Liebe ohne Grenzen.

Literatur und Gender bei Prosper Mérimée, Virginia Woolf
und
Autor*innen des 21. Jahrhunderts

„Literatur hat für mich mit Denken zu tun. Gute Literatur mit amoralischem, wildem Denken, das mich herausfordert und mir plötzlich jene Grenzen bewusst macht, die dem Alltagsgerede, dem Alltagswissen, den Alltagserfahrungen unbemerkt zugrunde liegen.“
Die in Potsdam lebende Schriftstellerin Antje Ravic Strubel beschreibt hier die Erfahrung einer Verunsicherung, Bewusstwerdung und Grenzerweiterung durch „gute Literatur“, der wir uns auch in diesem Jahr wieder stellen werden:

Im 1. Trimester beschäftigen wir uns mit dem Mythos Carmen. Als literarische Figur wurde Carmen 1845 von dem französischen Schriftsteller Prosper Merimée in seiner gleichnamigen Novelle erschaffen. Ihre musikalische Geburt erfolgte im Jahr 1873 in Georges Bizets berühmter Oper. Zwei künstlerische Stoffe – ein Mythos, der bis heute lebendig ist: in der Literatur, den Bildenden Künsten, in der Oper, im Film und im Tanz. Wir werden uns mit den verschiedenen Genres, künstlerischen Formen und Inhalten dieser weitestgehend männlichen Fantasien über Weiblichkeit, Männlichkeit und das Fremde detailliert auseinandersetzen, ohne freilich das Kunstwerk aus dem Blick zu verlieren.

Im 2. Trimester lesen wir Virginia Woolfs 1928 erschienenen Roman Orlando. Eine Biographie. Auf amüsante, abgründige und literarisch überbordende Art und Weise wird in dieser furiosen Geschichte erkundet, was es bedeutet Mann bzw. Frau zu sein. „Das Buch soll durch und durch satirisch sein, satirisch und übermütig…Ich will über die Stränge schlagen, und zwar ganz gewaltig“, lautet eine Tagebuchnotiz von Virginia Woolf über ihr Romanprojekt. Die Hauptfigur Orlando kommt als junger Adliger am Hof Elisabeth I. zur Welt und findet sich als Frau im London des frühen 20. Jahrhunderts wieder. Orlando hat vier Jahrhunderte durchlebt – in unterschiedlichen Rollen und Geschlechtern und ist doch Orlando geblieben.

Was wir im 3. Trimester lesen, wird im Laufe des Seminarprozesses entschieden.
Zur Auswahl stehen:

Maggie Nelson, Die Argonauten (2015, National Book Critic Circle Award). Dieser außergewöhnliche Text der amerikanischen Autorin verbindet Prosa, Poesie, Biographie und Theorie. Er ist Selbsterkundung, Familien- und Liebesgeschichte, Essay und Memoir. Die Argonauten handelt von fluider Identität, von Mutterschaft, von den Möglichkeiten und Grenzen der Sprache.

Antje Ravic Strubel, Kältere Schichten der Luft (2007, für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert) Ein ungewöhnlicher Liebesroman, der ebenfalls zentrale Kategorien, auf denen unsere Selbstdefinitionen beruhen, ins Wanken bringt: Alter und Geschlecht, Wirklichkeit und Fiktion.

Sasha Marianna Salzmann, Außer sich (2017, Shortlist des Deutschen Buchpreises). Mit ihrem grandiosen Debutroman sprengt die Dramatikerin Sasha Marianna Salzmann die Grenzen von Ich und Welt.

Ausgaben:

Prosper Mérimée, Carmen. Novelle. Übersetzt von Wilhelm Geist. Revidiert und mit einem Nachwort versehen von Günter Metken. Reclam, 83 S.

Georges Bizet, Carmen. Französisch-Deutsch. Reclam, 254 S.

Virginia Woolf, Orlando. Eine Biographie. Aus dem Engl. von Melanie Walz. Insel TB, 302 S.

Maggie Nelson, Die Argonauten. Aus dem Englischen von Jan Wilm. Hanser, 188 S.

Antje Ravic Strubel, Kältere Schichten der Luft. Fischer TB, 192 S.

Sasha Mariann Salzmann, Außer sich. Suhrkamp TB, 364 S.

TERMINE 2019/2020
Montagsgruppe/Dienstagsgruppe
Kurszeiten: jeweils 9.30 – 13.00 Uhr
Ort: Akademie LITEATUR&LEBEN,
Roscherstraße 12, 30161 Hannover

1. Trimester
(9 Termine)

08./09.04. CR+SG
15./16.04. SG
29./30.04. CR
06./07.05. SG
13./14.05. CR
20./21.05. SG
27./28.05. CR
03./04.06. SG
17./18.06. CR
Sommerferien
(24./25.06. bis 05/06.08.)

2. Trimester
(8 Termine)
12./13.08. SG
19./20.08. CR
26./27.08. SG
02./03.09. CR
09./10.09. SG
16./17.09. CR
23./24.09. SG
30.09./01.10. CR
Herbstferien
(07./08.10. bis 28./29.10.)

3. Trimester
(10 Termine)

04./05.11. CR+SG
11./12.11. SG
18./19.11. CR
25./26.11. SG
02./03.12. CR
09./10.12. SG
16./17.12. CR
Weihnachtsferien
(23./24.12. bis 06./07.01.)
13./14.01. SG
20./21.01. CR
27./28.01. Abschlussveranstaltung