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Frauen an der Leine

Ein Stadtspaziergang auf den Spuren
berühmter Hannoveranerinnen

In Hannover finden sich zahlreiche Spuren berühmter und weniger bekannter Frauen und ihrer Lebenswege zwischen Selbst-und Fremdbestimmung. Die Bibliothekarin Barbara Fleischer geht ihnen in ihrem Buch informativ und unterhaltsam nach. Individuelle Lebensgeschichten von Frauen aus verschiedenen Jahrhunderten verbindet  die Autorin mit allgemeinen  Informationen zu Geschichte, Wirtschaft und Kultur vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Neben Details zu Kurfürstin Sophie, Charlotte Kestner – Goethes Muse aus dem Werther – und der Astrologin Caroline Herschel erfahren wir Wissenswertes über die sozialpflegerische Arbeit der Beginen und der protestantischen Schwesternschaften. Politisch engagierte Frauen lernen wir ebenso kennen wie die hochgeehrte Künstlerin Niki de Saint Phalle und ihre ehemals skandalträchtigen „Nanas“
am Leineufer.

Barbara Fleischer: Frauen an der Leine
Ein Stadtspaziergang auf den Spuren
berühmter Hannoveranerinnen
Lehmanns Media Berlin 2011

Baum der Nacht

Zum 30. Todestag von Truman Capote

Besser geht’s nicht: 2007 wurden ausnahmslos alle Erzählungen des Autors von „Frühstück bei Tiffany“ und „Kaltblütig“ neu übersetzt,  bei Kein + Aber in einem Band versammelt und dortselbst jüngst  wieder aufgelegt. Darunter sind sechs bis dato unveröffentlichte Wunderwerke wie „Ein eigener Nerz“ sowie das irrlichternde Vexierbild „Miriam“, das den Erfolg Truman Capotes als Meister der short story einst begründete. Das Leben als Kurzgeschichte: Wie in alltäglichen Verrichtungen das Geheimnis nistet, ohne sich zu offenbaren, wie aus unspektakulären Menschen plötzlich die unberechenbare Nachtseite hervorbricht – Capote skizziert flüchtige Augenblicke, die unendliche Möglichkeiten bereithalten. Genutzte und verpasste Chancen auf Glück, die beim Leser für Erkenntnisschaudern sorgen.

Truman Capote: Baum der Nacht
Alle Erzählungen
Kein + Aber Verlag, 2014

Will in der Welt

Wie Shakespeare zu Shakespeare wurde

Der berühmteste Dichter der abendländischen Literatur siedelte viele seiner Stücke in Italien an, ohne das Land belegbar bereist zu haben. Sind Shakespeares frappierende Italienkenntnisse, die er in „Romeo und Julia“, „Der Kaufmann von Venedig“, „Ende gut, alles gut“ und vielen anderen Dramen durch präzise Ortsangaben beweist, eigener Anschauung oder reiner Imagination zu verdanken? Wie gingen seine Lebenserfahrungen in sein Werk ein? Und überhaupt: War Shakespeare wirklich Shakespeare?

Stephen Greenblatts brillant geschriebene Lebensbeschreibung ist ein äußerst unterhaltsames Buch, eine inspirierte und inspirierende Melange aus Faktenwissen, Geschichtskenntnis und Imagination – wir wissen nicht, ob es so war; aber genau so könnte es gewesen sein!

Stephen Greenblatt: Will in der Welt
Wie Shakespeare zu Shakespeare wurde
Berliner Taschenbuch Verlag, 2004
(derzeit nur antiquarisch erhältlich)